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‚Neues‘ gegen den Buchsbaumzünsler – Erkenntnisse aus einem Naturgarten

Wir hatten  unseren Buchs schon ‚abgeschrieben‘. Vom Zünsler fast kahlgefressen und umgeben von einem widerlichen Geruch, schien jede Rettungsaktion aussichtslos. Zudem wollten wir weder Zeit noch Geld in eine, voraussichtlich immer wiederkehrende Bekämpfung der Zünslerraupen investieren. Der naheliegende Schluss: ausreißen und durch robuste Gehölze ersetzen.

Oft kommt es anders

Aus Zeitmangel  wurde der Plan nie in die Tat umgesetzt.  Der Buchs blieb stehen und im darauffolgenden Jahr begann er sich – ohne weiteres Zutun – sichtlich zu erholen. Er bildete frische, junge Triebe und zeigte sich bald im gewohnt dichtgrünen Kleid.  

Ein neues Phänomen

Bis vor wenigen Jahren war der Stand des Wissens, dass Buchsbaumzünsler in Europa keine natürlichen Feinde haben! Diese These wurde zwischenzeitlich mehrfach widerlegt. Auch wir  haben immer wieder Kohlmeisen, Blaumeisen und Spatzen beobachtet, die Zünslerraupen aus dem Buchs pickten, um ihre Jungen zu füttern – allerdings nicht in so großen Mengen, um das Überleben der Pflanzen zu sichern. Es dauerte also einige Zeit, bis nach mehrfachen Beobachtungen klar war:  Eidechsen fressen Buchsbaumzünslerraupen – und das in großer Zahl!

Der Grundstein des Erfolges

Der Grundstein für die inzwischen recht große Eidechsenpopulation in unserem Garten wurde bereits vor Jahren gelegt, mit dem Bau eines Steinwalls, unserer sogenannten ‚Drachenmeile‘ und zahlreichen Totholzstrukturen. Eidechsen lieben Strukturen! Sie bietet den flinken Flitzern Lebensraum mit Sonnenbadeplätzen, Überwinterungs- und Eiablagemöglichkeiten sowie schnelle Verstecke und Unterschlupf. Wer in seinem Garten oder in der Umgebung bereits vereinzelt Eidechsen gesichtet hat, kann sie mit Strukturen aus Steinen und Totholz gezielt fördern.

Trockensteinmauer

Zusätzlich bewährte Maßnahmen

Bis die Eidechsen den Garten in ausreichender Zahl besiedeln, um eine Zünslerpopulation in Schach zu halten, ist jedoch Geduld gefragt. Überbrückt werden kann die Zeit mit anderen bewährten Maßnahmen, z.B.

  • befallene Pflanzen mit einem Hochdruckreiniger gründlich abspritzen – so dosiert, dass die gesunden Blätter nicht zerrissen werden,  am Boden sollte bestenfalls ein Vlies ausgelegt werden. Abgefallene Blätter und Raupen nicht auf den Kompost geben! Überlebende Raupen können sich unter Umständen weiterentwickeln und sind dann schneller zurück als einem lieb ist! Die Reste in einen Müllsack und rasch entsorgen oder verbrennen.
  • Pheromon-Lockstoffe – als Falle für die erwachsenen Falter (= vor allem zur Befallskontrolle)
  • Indische Laufenten (wer’s mag): Berichten aus der Schweiz zufolge vertilgen diese Tiere nicht nur Schnecken sondern auch die Zünslerraupen –  vorausgesetzt, der Buchs ist nicht höher als 1,20 m.

Allgemein wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle der Pflanzen, um einen Befall frühzeitig zu erkennen! Ab ca. Mitte März wird die überwinternde Raupengeneration wieder aktiv und beginnt im Inneren der Pflanzen zu fressen. Die nächste Raupengeneration ist dann – je nach Witterung nach ca. 2-3 Monaten zu erwarten.

Fazit

Der aus dem asiatischen Raum stammende Zünsler scheint mehr und mehr von unserer Tierwelt als Nahrungsquelle entdeckt zu werden. Neben Vögeln,  Wespen und Hornissen gehören Eidechsen – unserer Beobachtung nach – zu den effizientesten Fressfeinden der Zünslerraupen. Das sollten wir nützen!

Im nächsten Eintrag geht es um die perfekte ‚Eidechsenburg‘ !